Kampus: „Gewalt gegen Frauen geht uns alle an“
Gewaltschutzgipfel tagte im Landhaus: Fünf-Punkte-Maßnahmenpaket für mehr Schutz und Sicherheit für Frauen in der Steiermark
Graz, 22.01.2019

In den vergangenen Tagen haben sich folgenschwere Gewalttaten gegenüber Frauen in Österreich ereignet, aber auch abseits medialer Aufmerksamkeit sind Frauen oftmals Opfer von in den meisten Fällen Gewalt in Beziehungen. Aus diesem Anlass hat Soziallandesrätin Doris Kampus am Dienstag zu einem Gewaltschutzgipfel in den Rittersaal des Landeshauses geladen. „Gewalt gegen Frauen geht gar nicht, sie geht uns daher alle an", betonte Kampus. Gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern der Polizei und Justiz sowie rund 15 Gewaltschutzexpertinnen und -experten wurden Maßnahmen beraten. Ergebnis ist ein Fünf-Punkte-Maßnahmenpaket, das u.a. den landesweiten Ausbau von Übergangswohnungen und mehr Prävention vorsieht. Das Budget dafür wird um zehn Prozent aufgestockt.
„Bei Gewalt gegen Frauen gibt es nicht die eine Lösung, und es gibt daher auch keine schnelle Lösung", hob die Soziallandesrätin die Komplexität des Problems hervor. In der Steiermark gebe es zwar mit zwei Frauenhäusern, sieben Kinderschutz- und einem Gewaltschutzzentrum mit sechs Außenstellen ein gutes Basisnetzwerk, auch dank zahlreicher Beratungs- und Hilfseinrichtungen. Rund 5,4 Millionen Euro gibt das Sozialressort für Maßnahmen in diesem Bereich aus, dennoch sind weitere, vor allem präventive Schritte notwendig, verweis die Soziallandesrätin auf ein Fünf-Punkte-Paket:
Zu den sieben Kinderschutzzentren wird das Versorgungsangebot in der Südoststeiermark mit einer weiteren Einrichtung ausgebaut.
Bis Ende 2019 wird in jeder Region der Steiermark eine Übergangswohnung errichtet, die es Frauen und ihren Kindern ermöglichen soll, gut und sicher nach dem Aufenthalt im Frauenhaus einen Übergang in selbstständiges Wohnen zu schaffen.
Die Vereine Frauenhäuser Steiermark und Neustart intensivieren ihre Präventionsarbeit mit Gewaltpräventionstrainings.
Fallkonferenzen, die Zusammenarbeit von Polizei, Exekutive und Beratungs- und Hilfseinrichtungen werden intensiviert.
Ein Gewaltschutz-Netzwerk wird eingerichtet, um als regelmäßiges Vernetzungstreffen die Expertinnen und Experten zusammenzubringen, um weitere Maßnahmen zu entwickeln.
Übergangswohnungen für Frauen nach dem Frauenhausaufenthalt sind ein wesentlicher Baustein für die langfristige und nachhaltige Gewaltschutzarbeit, hob Michaela Gosch vom Verein Frauenhäuser Steiermark hervor. „Die Gewaltschutzkette bricht häufig an dem Punkt, an dem eine von Gewalt betroffene Frau für sich und ihre Kinder keinen leistbaren Wohnraum findet und die Rückkehr zum Gewalttäter dann die einzige Alternative zu sein scheint. Um diesen Abbruch zu verhindern, brauchen wir leistbare Übergangswohnungen, die den Frauen für einen begrenzten Zeitraum zur Verfügung stehen." Während dieser Zeit werden die Frauen durch mobile Betreuung dabei unterstützt, ihre Autonomie auf unterschiedlichen Ebenen - wie zum Beispiel Stabilisierung der finanziellen Situation, Arbeitssuche, Suche von passenden Kinderbetreuungsmöglichkeiten - noch weiter auszubauen.
„Alle Organisationen, die in diesem schwierigen Themengebiet tätig sind, müssen noch enger zusammenarbeiten und die Prävention ausbauen und intensivieren, um effizient gegen Gewalt an Frauen vorgehen zu können", unterstreicht Generalmajor Manfred Komericky, der stellvertretende Landespolizeidirektor der Steiermark. Neben ihren Uraufgaben steht die Exekutive nach den Worten Komerickys „allen als Ansprechpartner, gerade auch im Bereich der Prävention mit unserer fachlichen Expertise zur Verfügung".
In diesem Zusammenhang begrüßte der Vizelandespolizei-Chef die Schaffung einer Konferenz Gewaltschutz, einem regelmäßig geplanten Vernetzungstreffen von allen Partnerinnen und Partnern auf Landes- und Bezirksebene, um weitere Maßnahmen zum Gewaltschutz zu entwickeln. Ebenfalls präventiven Charakter haben die so genannten Fallkonferenzen, in denen Expertinnen und Experten von Polizei, Gerichten und Gewaltschutzeinrichtungen Einzelfälle beraten und für mehr Sicherheit sorgen. Diese Fallkonferenzen werden nach aktuellen Ankündigungen bundesweit wieder durchgeführt, waren in der Steiermark de facto nicht ausgesetzt.
Eduard Hamedl vom Männernotruf betonte ebenfalls die Notwendigkeit der Vernetzung und die gute Zusammenarbeit der Einrichtungen in der Steiermark. „80 Prozent unserer Kontakte sind Männer, 20 Prozent Frauen, die Rat und Hilfe suchen", schilderte Hamedl. Um Männer gezielt anzusprechen, sei es notwendig, Info-Unterlagen zu übersetzen bzw. wären Dolmetschdienste in Einzelfällen durchaus sinnvoll.